You’re in the army now

Bericht von der “Invictus Launch Week” der UEE Navy auf ArcCorp

Von John Brubacker

  • I. Bericht
  • II. Interview
  • III. Radio-Reportage für “Radio Infinity”

Die Menschen sind aus dem gesamten Verse nach ArcCorp geströmt. Die Masse reckt die Köpfe in den Himmel. Dann ist es so weit: Der Krach der Triebwerke wird immer lauter, bis er fast unerträglich wird, schließlich donnern die Flieger des 999th Squadron über die Köpfe der Menschen hinweg. Der Überschallknall des Afterburners lässt die Scheiben der umliegenden Wolkenkratzer erzittern. Man erspäht noch kurz ein feuerndes Hecktriebwerk, dann – von einer Sekunde zur nächsten – ist die Staffel wieder auf und davon.

Action in der Luft, große Träger im Orbit über ArcCorp und eine einwöchige Messe mit ausgestellten Raumschiffen aller Hersteller des Verse im Bevic Convention Center am Boden – kaum ist die Staffel vorbeigerast, herrscht wieder babylonisches Stimmengewirr. Die Menschen fachsimpeln miteinander, etwa darüber, ob es im direkten Kampf von Schiff zu Schiff mehr auf Wendigkeit ankommt oder auf eine bessere Panzerung. Oder ob man besser zu ballistischen oder zu Energie-Waffen greifen sollte. Die Messehallen der „Invictus Launch Week“ sind gut besucht und laden dazu ein, die Dinge mal aus dieser, mal aus jener Perspektive zu betrachten.

Beinahe ununterbrochen jubeln die Besucher dabei den Piloten und Soldaten zu, die auf den Schiffen im Orbit oder auf der Messe Dienst tun. Kein Wunder:  Die Marines – sie sind schließlich ihre Söhne und Töchter, Brüder und Schwestern, Freunde und Nachbarn. Überall im Empire verabschieden sich Bürger der UEE von ihren Lieben, schließlich heißt es für viele nun: „You’re in the army now.“

Militärparaden gab es schon immer – und wird es immer geben. Sie demonstrieren Stärke. Und wann wäre ein Gefühl der Einigkeit jemals wichtiger gewesen, als in diesen Zeiten? Das Empire des Jahres 2950 steht wieder einmal vor großen Zerreissproben, vor gewaltigen Herausforderungen. Am Horizont zieht ein großer Krieg mit den Vanduul herauf. Verschwendung, Korruption und Intrigen schütteln des Empire im Innern. Als Schmelztiegel, der ohne Ansehen der einzelnen Person, ohne Fragen nach der Herkunft, Stand oder Religion, aber mit Ansprache an die tiefsten menschlichen Gefühle, Zusammengehörigkeit erzeugt, ist die „Invictus Launch Week“ daher mehr als nur eine Messe.  Sie dient vielmehr der Selbstvergewisserung der UEE-Gemeinschaft. „Invictus“ – das heißt auf Latein schließlich „unbesiegt“.

Halb ArcCorp, so scheint es, ist daher in Marineblau getaucht, steht ganz im Zeichen der Ausstellung. Das beginnt auf dem Riker Memorial Spaceport und endet auf den Messeständen im Bevic Convention Center, eine perfekt inszenierte Werbemaschinerie mit T-Shirts, Basecaps und Flyern. Tapferkeit, Pflichterfüllung, Treue, kurz: Dienst am Gemeinwesen – niemand kann sich dem entziehen. Man läuft über die Messe, begutachtet martialisches Kriegsgerät, wie etwa die Anvil Ballista, ein Fahrzeug, das Raketen abfeuert und mit dem sich aus sicherer Distanz ganze Raumschiffe zerstören lassen – und denkt sich nichts weiter dabei. Man schlendert vorbei an großkalibrigen Geschützen, sauber poliert und doch todbringend, die unter den Flügeln diverser Kampfflieger hängen. Man ertappt sich dabei, wie man die kritische Distanz verliert, ganz hineingesogen wird, in diesen kollektiven Taumel.

Soll man dem Krieg das Wort reden? Natürlich nicht – es gibt daran nichts, was zu verherrlichen wäre. Krieg ist etwas Furchtbares. Gleichwohl: Es sind die Vanduul, die brutal und ohne geringstes Mitleid immer wieder unsere Systeme überfallen. Muss man sich dann wehren können? Natürlich muss man das. „Die Vanduul sind der Feind, sie greifen uns an. Wir müssen kämpfen“, sagt zum Beispiel ein Mann auf der Messe, der sich selbst als Söldner bezeichnet, aber lieber anonym bleiben möchte.

Und ein anderer, etwas älterer UEE-Bürger ergänzt: „Nun, meine Militärzeit liegt schon eine Weile zurück. Es war eine schöne Zeit mit den ganzen Kameraden.“ Angst vor einem großen Krieg mit den Vanduul hat er nicht, aber: „Ich bin mir nicht sicher, ob wir zu diesem Zeitpunkt schon dafür bereit sind, einen Krieg mit ihnen durchzustehen und als Sieger daraus hervorzugehen.“ Allein diese Antwort zeigt: Lassen die Rekrutierungsstände der Navy auf der Messe keinen Zweifel daran aufkommen, dass dem so sein wird, so sind die Besucher durchaus zwiegespalten.  

Verständlich: Lernt man auf der Messe doch, dass auch vermeintlich rein zivile Schiffe durchaus für das Militär eingesetzt werden – wie etwa die Constellation Taurus, die von der UEE Navy als kleiner Frachter genutzt wird. Andererseits: Zwischen militärischen und zivilen Schiffen gab es schon immer Überschneidungen – wie etwa bei der Retaliator von Hersteller Aegis, die ja einst das Machtinstrument der Messer-Schreckensherrschaft schlechthin gewesen ist. Ob gewollt oder nicht: Die Grenze zwischen zivilem Leben und Militär wird nicht zuletzt durch die „Invictus Launch Week“ durchlässiger. Dass im Stanton-System während der Messe-Zeit gleich zwei Idris und eine Javelin patrouillieren tut ein Übriges.

Wie heißt es auf einer Infotafel doch so passend? „Invictus“ ist der Zeitpunkt, an dem man sich gegenseitig feiert. Nun, dem ist nichts hinzuzufügen, außer: Gehen Sie hin und machen Sie sich ein eigenes Bild. Das Verse ist mehr denn je auf engagierte Bürger angewiesen, die genau wissen, wo sie stehen.

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Interview mit einem Besucher

Off the Record: „Entschuldigen Sie…“

Jacek Pacholski: „…ja bitte?“

Off the Record: „Guten Tag, mein Name ist John Brubacker, ich bin Chefredakteur von “Off the Record” und mache eine kleine Umfrage zur Invictus Messe. Wären sie so frei und würden an unserer Umfrage teilnehmen?“

Jacek Pacholski: „Ouh, dass kling Interessant. Gerne doch.“

Off the Record: „Sagen, Sie, was halten Sie von der Messe? Was gefällt Ihnen besonders?“

Jacek Pacholski: „Ich finde die Messe sehr beeindruckend. Ich bin einiges gewohnt aber diese Aufmachung ist einfach sagenumwoben. Am meisten gefallen mir die Dioramen da sie eine tiefe Nachricht vermitteln.“

Off the Record: „Glauben Sie, dass der Militärdienst etwas für Sie sein könnte? Wenn ja, warum?“

Jacek Pacholski: „Ja, der Militärdienst ist auf jeden Fall etwas für mich. Ich bin seit 2948 selbst in der UEE als Sanitäter im Dienst und ich habe darin den Job gefunden den ich brauchte. Einen der mich fordert und fördert.“

Off the Record: „Will uns die UEE Ihrer Meinung nach vielleicht aber auch geschickt auf einen größeren Konflikt mit den Vanduul einstimmen? Macht Ihnen das auch Angst?“

Jacek Pacholski: „In meinen Augen sind und bleiben die Vanduul nach wie vor eine ernstzunehmnde Bedrohung und es ist nicht falsch den Bürgern dies klar zu machen. Gelegentlich mache ich mir ein wenig Gedanken aber Angst habe ich nicht.“

Off the Record: „Wird Ihnen der Militärdienst genau richtig oder teils zu unkritisch dargestellt?“

Jacek Pacholski: „Der Militärdienst ist wie alles andere mit positiven als auch negativen Punkten behaftet, natürlich versucht man hier unsere Einheiten ins beste Licht zu rücken, aber ich sage mal: Von nichts, kommt nichts. Wer bewirbt sich denn wenn der Arbeitsplatz nicht lukrativ zur Schau gestellt wird, wenn sie verstehen wie ich es meine.“

Off the Record: „Inwieweit macht sie die Messe zu einem stolzen UEE-Bürger?“

Jacek Pacholski:  „Na ja stolz…stolz bin ich nur auf die Leistungen die ich auch selbst bewirkt habe. Ich fühle mich sicher… die UEE hat ein hervorragendes Militär und wir brauchen uns vor nichts fürchten, solange wir Männer und Frauen haben, die täglich bereit sind ihr Leben für unsere Sicherheit und Interessen zu opfern.“

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Radio-Reportage für “Radio Infinity”:

… und hier ist die wöchentliche Radio-Reportage bei Radio Infinity. Mein Name ist John Brubacker. Herzlich Willkommen! Ich berichte heute live von Bord der Javelin „War Hammer“, einem Schlachtschiff der UEE. Während ich mit Ihnen spreche, hat dieses an der orbitalen Raumstation Port Tressler angedockt, direkt über dem Planeten Microtech im Stanton-System. Unter uns, in der Hauptstadt New Babbage, feiert das Militär des Empires die „Invictus Launch Week 2951“. Es ist eine Woche, die wie kaum eine andere für Zusammenhalt und Kameradschaft steht. Zum ersten Mal seit Jahren hat die Navy ein wenig ihre Tore geöffnet. Sie lässt nicht nur die Rekruten der kommenden Dienstzeit an Bord ihrer Schiffe, sondern auch Zivilisten, Besucher, Interessierte und Medien.

 Um mich herum herrscht dichtes Gedränge. Jeder will einmal einen genauen Blick in eines der größten Schiffe der Navy werfen. Unter den Besuchern sind die jungen Rekruten, aber auch ihre Eltern, Freunde und Verwandte. Es ist eine Mischung aus Unsicherheit und Vorfreude, die den jungen Menschen ins Gesicht geschrieben ist. Mit wem wird man sich an Bord gut verstehen? Wer wird eines Tages derjenige sein, der einem den Rücaken deckt, wenn es hart auf hart geht da draußen und wer wird derjenige sein, mit dem keiner Dienst schieben will? Was wird ihnen bevorstehen? Welche Abenteuer werden sie erleben, welche Freundschaften schließen, welche Verluste erleiden? Es sind Fragen, die unausgesprochen im Raum stehen – und doch schweben sie über allem.

Das Schiff selbst, es glänzt und strahlt an allen Ecken anlässlich der „Invictus Launch Week“ – fast so, als könnte ihm nichts im Verse etwas anhaben. Als sei die „War Hammer“ immun gegen jegliche Gefahren, die auf sie lauern mögen. Ein entsprechendes Sicherheitsgefühl vermitteln auch die Guides, die an Bord darüber aufklären, wie es in der Messe zugeht, in den Crewquartieren oder an einem der riesigen Turrets, an denen eine junge Offizierin zunächst eine kurze Einweisung gibt. Sie ermahnt, dass die „War Hammer“ ein im Dienst befindliches Kriegsschiff ist, dann erteilt sie mir die Erlaubnis, einmal selbst an den Feuerknöpfen der riesigen Waffe zu sitzen. Natürlich ist der Feuermodus deaktiviert, die Kraft, die man in den Fingern zu spüren glaubt, ist aber echt, wenn sich das gewaltige Geschütz mit einer kurzen Nachlaufzeit neu ausrichtet. Wer an Bord wird eines Tages ein Meisterschütze sein – und wer wird ein Kingship der Vanduul nicht einmal dann treffen, wenn es einen Triebswerksschaden hat? Die Spreu wird sich an Bord recht schnell vom Weizen trennen, so viel ist klar und das weiß an Bord auch jeder. Ich verlasse das Turret wieder, ernte ein freundliches und doch reserviertes Nicken, dann laufe ich weiter durch das Schiff.

Der Skipper der „War Hammer“ hat nur gewisse Bereiche zur Besichtigung freigegeben – kein Wunder, viele sind extrem sicherheitssensibel, die Brücke ist zum Beispiel komplett gesperrt. Ich laufe ein paar Treppen auf und ab, die jedoch alle in Sackgassen enden – wo auch die Freundlichkeit der Navy ein Ende findet. Unmissverständlich werde ich von Posten an den Türen zurückgewiesen. Nicht einmal ein kurzer Blick durch kleine Sehschlitze in den Türen ist erlaubt. Nun denn, es gibt auch so genug zu sehen. Mir fallen viele Kleinigkeiten ins Auge. Das Schiff ist im Innern zwar spartanisch, vermittelt aber dennoch Geborgenheit. Schilder zeigen auf allen Decks, wo man sich befindet und wie man am schnellsten zum Ziel kommt. Sicherlich eine gute Sache für die neuen Rekruten. Und natürlich dürfen auch die obligatorischen Spielautomaten nicht fehlen – wie die Besucher lernen, ein heiß umkämpfter Kampfplatz um virtuelle Plätze und Punkte an Bord.

Nach einem guten 20-minüten Rundgang verlasse ich die „War Hammer“ wieder und laufe zurück durch die Gangway nach Port Tressler. Wenige Minuten später ist das Schiff auch schon wieder unterwegs und dreht zwischen den Planeten ArcCorp, Microtech und Hurston seine Runden. Jeder in Stanton soll während der „Invictus Launch Week“ die Gelegenheit haben, an Bord gehen zu können. Geradezu friedlich schwebt es dahin, ist sich seiner Kraft bewusst. Ich bin mir sicher: Sollten Piraten aus Pyro auf Ärger aus sein, oder gar die Vanduul plötzlich in Stanton einfallen – es wäre binnen Sekunden kampfbereit.

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