Die Rückkehr der Vanduul

–  Squadron 42: Prolog –  

Im Verborgenen rührt sich etwas, das längst begraben schien. John Brubacker bricht auf in das ferne Nyx-System, um sich einer Bedrohung zu stellen, die ihn fordern wird, wie nie zuvor: Die bösartige Alien-Kriegerrasse Vanduul brechen erneut in den von Menschen kolonisierten Raum ein. Brubacker zieht in einen  Kampf, der aussichtslos erscheint und der doch immer mehr seine wahre Geschichte enthüllt. Schließlich wird ihm klar: Er ist nicht der, der er zu sein glaubt, muss sich der ultimativen Wahrheit stellen – und dafür weit in seine Vergangenheit zurückreisen.


In die Dunkelheit

„Idioten!“

Ich stehe vor der riesigen Kiste und versuche, sie irgendwie vom Monitor wegzuschieben, der mir  Zugriff auf mein weiteres Inventar erlaubt. Aussichtslos – die riesige Kiste ist so schwer, als wäre sie am Boden festgenagelt. Wenigstens liegen meine Sachen drin, die ich mit nach Nyx nehmen will. Nur sollte die Kiste eben nicht hier stehen – sondern bereits von Huskys „Frost“. Und es sollte außerdem eine viel kleinere Kiste sein.

„…einmal nur sollte etwas klappen“, schimpfe ich vor mich hin.

Wenn man sich auf andere verlässt, ist man eben verlassen.

Ich atme tief durch.

Microtech – der Ort, an dem die rechte Hand stets weiß, was die linke tut.

Von wegen, es ist überall der gleiche Mist.

Mein Mobiglas piept.

Killer.

Er macht sich auf Huskys Schiff bereits eine Koje klar. Ein Lächeln huscht mir über das Gesicht. Wir hatten echt gute zwei Wochen. Biken, abhängen, quatschen – und viel schlafen. Ich habe versucht, alles einfach zu verdrängen. Selbst die Vanduul mussten sich gedulden. Natürlich waren sie dennoch stets in meinem Hinterkopf – und doch: Das habe ich, das haben wir gebraucht. Nachdem Husky uns und zwei Bikes ins Tobin Valley gebracht hatte, hatte er kehrt gemacht, damit Garnsky letzte Vorbereitungen an der „Frost“ für unsere große Reise treffen konnte. Irgendetwas wollte der grummelige Mechaniker noch unbedingt einbauen.

Killer ist in den vergangenen Monaten richtig aufgeblüht. Er hörte gar nicht mehr auf zu reden, was Garnsky ihm alles beigebracht hat – lauter technischen Kram. Ich lächelte, nickte, stimmte zu – auch wenn ich kein Wort verstand. Und ein geborener Biker ist er auch noch. Irgendwann werden wir wieder die „Free Riders“ reaktivieren.

Doch nun: Auf nach Nyx.

Genau ein Jahr ist es her, dass Husky und ich zum ersten Mal nach Pyro aufbrachen. Eins hat seitdem zum nächsten geführt – fast zwangsläufig, wie es scheint. Was haben wir seitdem nicht alles erlebt… und jetzt: Die Rückkehr der Vanduul. Die ominöse Nachricht, die meinen endgültigen Tod fordert. Smith seltsame „Schwerter der Zeit“…

Was hat das alles zu bedeuten?  Wir werden es herausfinden müssen. Seit die Rückkehr der Vanduul offiziell feststeht, ist ganz Stanton in Aufruhr – waren bisher die täglichen Piratenattacken das beherrschende Thema, so haben sie die Vanduul verdrängt. Amelia Boyd, die berüchtigte Anführerin der Frontier Fighters, ist von den Headhuntern mittlerweile sogar zur Strecke gebracht worden und wurde auf Ruin Station in Pyro barbarisch aufgeknüpft. Hat die Advocacy vielleicht auf der „Shack One“ doch noch etwas vom Virus gefunden, was sie auf die Spur gebracht hat und dann wiederum einen Deal mit den Headhuntern gemacht? Aber war Ruin Station nicht eigentlich das Territorium der XenoThreat? Wie es aussieht, werden angesichts der Vanduul-Bedrohung ganz neue Allianzen geschmiedet.

Ich sollte mir nicht mehr so viele Gedanken machen – es sind die Probleme anderer und ich bin kein Reporter mehr. 

Husky kommt aus dem Fahrstuhl.

„Alles klar, Bru?“

Ich zeige auf die Kiste – und er versteht sofort das Problem.

„Kein Ding, ich hieve sie mit dem Multitool rüber in den Fahrstuhl, dann können wir sie in meinem Hangar auf die Frost laden.“

Ich recke den Daumen nach oben – seine Kistenschlepper-Zwangsarbeit bei Microtech macht sich in diesem Moment bezahlt. Kaum ist das erledigt, machen wir uns auf den Weg in seinen Hangar.

„Haben wir dann alles?“

„…von mir aus können wir los.“

„Und dein Bike?“

„Richtig, fast vergessen.“

„Dann starte schon mal, ich hole meine Nox.“

Ich laufe zum Fahrstuhl, als ich Husky hinter mir plötzlich stöhnen höre.

„Arghhh….was ist das denn?“

Ich drehe mich um und sehe, wie sich Husky die Hände an den Hals hält. Er kann nicht richtig atmen.

„Irgendwas dünstet hier ganz furchtbar aus. Man kriegt schon auf der Rampe kaum noch Luft…“, krächzt er.

„Killer…“

Husky schüttelt seinen hochroten Kopf.

„…ist an Bord zwei Ebenen höher, ist alles hermetisch abgesichert und sind getrennte Lüftungssysteme. Aber hier unten stimmt etwas nicht…“

Ich klopfe Husky auf den Rücken, er hustet sich aus.

„Garnsky wollte noch ein Feuerlöschsystem einbauen. Vielleicht ein undichtes Ventil…“

Husky versucht, ihn übers Mobiglas zu erreichen – vergeblich.

„Der pennt sich wahrscheinlich irgendwo aus. Hat wohl mit Killer seinen Abschied richtig gefeiert.“

„Toll…und jetzt?“

Husky setzt sich seinen Helm auf, damit kann er den Laderaum der „Frost“ gefahrlos betreten.

„Wir probieren es so und entlüften den Laderaum später. Vielleicht erledigt sich das Problem damit von selbst.“

„Dann hole ich jetzt mein Bike.“

„Wir treffen uns draußen vor den Garagen.“

In Pyro  hatten wir schon richtig biken wollen – und was ist daraus geworden?

Nichts.

Diesmal lassen wir es nicht anbrennen.

Als ich auf meine Nox blicke, muss ich instinktiv grinsen. Ja, in Nyx warten die Vanduul auf uns und ja, irgendwas ganz Großes, Geheimnisvolles geht vor sich. Aber ich will verdammt sein, wenn wir nicht wenigstens irgendwo mal zu dritt die Bikes auspacken und uns den Wind eines neuen, fremden Planeten um die Nase wehen lassen.

Mittlerweile hatte ich einiges über Nyx gelesen:  Im Jahr 2582 entdeckt, als die neu gegründete UEE auf dem Höhepunkt ihrer Expansion stand, besteht das Sternensystem aus drei Planeten, die einen Hauptreihenstern vom Typ F umkreisen, sowie zwei Asteroidengürteln. Ansonsten eigentlich eher langweilig, ist astronomisch gesehen der interessanteste Aspekt von Nyx, dass sich das System direkt an der Grenze zu einem dunklen Nebel befindet, der die Orbits aller drei Welten einhüllt. Die Gase des Nebels schränken die Sicht stark ein und limitieren die Nutzung von Scannern… etwas, worauf sich die wenigen Bewohner des Systems wohl komplett verlassen.

Die Bewohner – Abtrünnige, wie es heißt, Menschen, die mit dem Leben in der UEE nicht viel anfangen können. Levski, eine alte Bergbaustation, auf einem Asteroiden, ist ihre Heimat. Unser erster Anlaufpunkt. Und in direkter Nachbarschaft zu Nyx liegt das Virgil-System. Einst ein Hort menschlichen Fortschritts und Heimat des Projekts „Far Star“, eines komplett terraformten Planeten, ist das System heute nur noch Ödnis. Nach dem Fall Tibers im Jahr 2736 zog sich das UEE Militär nach Virgil zurück und versuchte dort eine Verteidigung aufzubauen, um das weitere Vorrücken der Vanduul in den von Menschen kolonisierten Raum zu stoppen, aber die unbarmherzigen Alien-Monster  überwältigten sie auch dort rasend schnell. Millionen Zivilisten starben als die UEE erneut fliehen und das System in den Händen der Vanduul zurücklassen musste. Wie es scheint, kommen von dort heute die wiederkehrenden Attacken.

Ich verlasse die Garage und sehe die riesige „Frost“ direkt vor mir schweben. Husky hat die Laderampe bereits heruntergelassen. Ich bugsiere die Nox hinein, dann heben wir ab. Ein weiteres Mal lasse ich alles hinter mir – nun, nicht alles. Killer ist mit dabei. Am Pyro-Gateway werde ich zudem in meine Superhornet Mark I umsteigen – ich hatte sie vom Admin-Office dorthin liefern lassen. Ich hoffe, dass wenigstens das geklappt hat.

„Killer…?“

„Schläft“, sagt Husky, „alles in Ordnung.“

Ich lasse mich in den Co-Pilotenstuhl fallen, während Husky die „Frost“ an den Himmel schiebt, dann sind wir auch schon im Quantumflug Richtung Pyro-Sprungpunkt. Wie oft habe ich nun schon in die vorbeirasenden Schlieren des Weltalls gestarrt, ganz in Gedanken versunken, Momente des Innehaltens bei zwanzig Prozent Lichtgeschwindigkeit? Ich grübele: Sind die Vanduul vielleicht schon viel länger zurück, als wir alle wahrnehmen wollten? Wollten wir es bisher vielleicht nur nicht sehen? Ich denke an Friedrich – und an unsere Befreiungsaktion auf der Asteroidenstation in Pyro. Damals hatten wir auch Vanduul-Schiffe gesichtet – und hatten sie für Piraten gehalten, die Mimikry spielten. Was, wenn darin schon echte Vanduul gesessen haben? Wenn sie also bereits viel tiefer vorgedrungen sind, als alle wissen oder als offiziell zugegeben wird? Wenn es vielmehr unter der Decke gehalten wird? Was, wenn wir bereits zu spät kommen?

Husky scheint meine Gedanken erraten zu haben.

„Friedrichs Anwalt hat sich übrigens aus Terra gemeldet…“

„…ach ja?“

„Ja, es geht ihm gut soweit. Es scheint nur noch eine Formsache zu sein, wann er freikommt.“

„Gott sei Dank.“

„…und, hast du was von Pike und Alaska gehört?“

Ich schüttle den Kopf.

„So hätten wir jedenfalls niemals auseinander gehen dürfen“, sage ich leise.

Wahr ist: Beide kenne ich jetzt ein halbes Jahr. Würde ich ohne Zögern die Hand für sie ins Feuer legen? Soweit sind wir noch nicht. Andererseits: Sie sind mit uns gemeinsam durch alles durch – bis zum bitteren Ende in Onyx. Jeder ist bis an seine Grenzen gegangen und jeder war für den anderen da. Und das will ganz bestimmt etwas bedeuten. Ganz klar: Ich bin ihnen Antworten schuldig – nur wie und wo?

Dann erzähle ich Husky alles, was ich weiß. Er hört still zu. Ich mag mich selbst kaum reden hören und  während ich spreche, kommt es mir absurd vor, was mir Smith aufgetischt hat. Gleichwohl: Die Vanduul sind real, nicht nur eine Fata Morgana und was wir im ASD-Abgrund gesehen und erlebt haben, war auch keine kollektive Wahnvorstellung. Warum sollte also nicht auch alles andere stimmen?

Husky atmet mehrfach tief ein und aus, so als wollte er einen neuen Mühlstein, den ich ihm umhänge, krampfhaft abwälzen. Schließlich scheint er es jedoch mehr oder weniger hinzunehmen. Er stellt ein, zwei Nachfragen, dann fallen wir aus dem Quantumflug und alles andere müssen wir auf später verschieben.

„Da vorn ist das Pyro Gateway“, sagt Husky.

„Lass uns landen und auftanken. Ich wechsle dann auch auf die Hornet.“

Ich stehe auf und sehe nach Killer. Er hat sich tief in seine Decke vergraben. Den ersten Sprung durch ein Wurmloch nach Pyro wird er wohl verpassen. Egal, wir haben noch einen zweiten nach Nyx. Ich lasse ihn weiter schlafen. Nur Minuten später sind wir wieder unterwegs. Husky fliegt voraus, dann öffnet sich auch schon das Sprungtor und ich sehe, wie er darin verschwindet. Für ein paar Sekunden scheinen die Carrack ein paar geisterhafte Schwaden zum umwehen, dann löst sich die „Frost“ geradewegs in Luft auf.

„Krass!“, fährt es mir durch den Kopf.

Vor ein paar Jahrhunderten hätte man auch das für reinen Spuk gehalten.

Ich hole die Genehmigung von Pyro-Gateway für das Passieren des Tores ein, sehe in den Cockpitanzeigen, wie alles einrastet und ich auf den Sprungpfad gezogen werde – doch zweimal hintereinander stößt mich die Raumanomalie regelrecht ab, fast so, als würde sie mir den Zugang bewusst verweigern, um mich vor einem schlimmen Fehler zu bewahren.

Ich versuche es ein drittes Mal – und diesmal klappt es. Es ist mein erster Sprung allein durch ein Wurmloch. Ich halte zitternd den Steuerknüppel fest, zähle die Sekunden, sehne den Ausgang herbei. Noch eine Windung, dann noch eine und noch eine – schließlich ändern sich die Farben der Tunnelwände langsam von Blau auf Rot – untrügliches Zeichen dafür, es gleich geschafft zu haben. Dann bin ich auch schon durch. Sofort habe ich wieder Husky im Ohr.

„…wo bleibst du denn, ich habe mir schon Sorgen gemacht.“

„Alles okay, das war nur die Mechanik, die…“

„…schon gut. Ich habe mich in einem Nebel versteckt. Lass uns her schnell abhauen. Hier warten immer mal gern Piraten.“

Pyro – da sind wir wieder. Und zwar viel schneller als gedacht, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Ich blicke hinaus in den rötlichen Nebel, der ganz Pyro leicht durchzieht. Alles sieht aus wie immer. Wenn das Universum die eigenen kleinen Erlebnisse mit etwas quittiert, dann wohl mit umfassender Gleichgültigkeit. Ich denke an meinen letzten Artikel in der „Off the Record“. Pyro hat sage und schreibe sieben Sprungpunkte – nach Cano, Castra, Hadrian, Nyx, Oso, Stanton und Terra. Damit sitzt es wie ein Stachel im Fleisch der UEE. Hier liegen die tiefergehenden Gründe, warum das System einfach nicht zur Ruhe kommt. Alle Kämpfe sind nur Ausdruck dessen, das in Wirklichkeit etwas viel Größeres im Gange ist – das Tauziehen um profitable Handelsrouten und Machtverhältnisse zwischen den Systemen.

Kein Wunder, dass die Vanduul genau hier zuschlagen. Hier treffen sie die Menschen an einer empfindlichen, neuralgischen Stelle.  Jetzt, da wir nach Nyx reisen und die Vanduul zurückkehren, ist das nur umso offensichtlicher.

„Kommst du mit deinem Tank in der Hornet überhaupt durch ganz Pyro?“

Huskys Frage trifft mich wie ein Schlag.

Daran hatte ich noch gar nicht gedacht – all die Jahre war ich auf Schiffen unterwegs, auf denen das nie ein Thema war.

„Ich…keine Ahnung“, stottere ich.

„Warte, ich kalkuliere es mal.“

Wenige Moment später meldet sich Husky wieder.

„Pyro IV, bis dahin solltest du es schaffen.“

„Pyro IV…da fällt mir was ein. Hast du schon mal was von Fellow Field gehört?“

Husky verneint.

„…das soll so eine Art Sehenswürdigkeit sein. Riesige Steintorbögen. Das könnten wir uns kurz anschauen bevor wir weiterfliegen.“

Kaum haben wir den Planeten erreicht, der wie eh und je türkisblau unter uns schimmert, weiß ich auch wieder, was ich an Pyro so faszinierend finde: seine unglaubliche Schönheit. Im Formationsflug fliegen wir mit unseren Schiffen hinab zum Naturschauspiel. Es ist ein schöner, genüsslicher Anflug und beide sind wir für ein paar Augenblicke still. Jeder genießt es für sich. In Pyro bekommt man eben nur beide Seiten der Medaille. Schließlich müssen wir jedoch entdecken, dass es sich bei den Steinbögen nicht um ein reines Naturschauspiel handelt. Vielmehr haben die Headhunter einen Outpost dazwischen gebaut.

„Wollen wir trotzdem runtergehen?“

„Warum nicht, wenn wir vorsichtig sind?“, antworte ich, genervt davon, dass wir uns den Ort nicht in Ruhe anschauen können. Keinesfalls wollen wir in ein Feuergefecht verwickelt werden. Wir landen ein wenig außerhalb und marschieren zum Posten. Schon am Eingang sehen wir, dass diverse weitere Schiffe gelandet sind – vielleicht Tauschgeschäfte, legale oder illegale, wer weiß.

„Lass uns hier am Rand bleiben, noch haben sie uns nicht entdeckt“, sage ich.

Husky stimmt zu, wir blicken ein paar Minuten zu den gigantischen Steinbögen auf, eine wilde Laune der Natur. Scharfer Wind muss die Formationen im Laufe der Jahrmillionen herausgefräst haben. Schließlich kehren wir zurück zu unseren Schiffen.

Ich checke die Karte.

„Nicht weit entfernt ist auch Chawlas Beach. Das könnte ich mit meinem Fuel gerade noch schaffen.“

Ich habe den Ort, den wir in Pyro vor einem Jahr als erstes besucht hatten, nach meiner Stippvisite mit der Wolf wieder in guter Erinnerung. Höchste Zeit, den Eindruck auch bei Husky zu revidieren. Er hatte sich damals auf einem Dach verschanzt, während eine Polaris über ihm direkt vor seinen Augen ein Massaker anrichtete – ein Umstand, der Pyro für ihn geprägt hat.  

Über Fellow Field geht die Sonne unter.

„Chawlas Beach liegt nordwestlich von hier. Wir fliegen quasi der Sonne hinterher.“

„Dann los.“

Die Vanduul müssen sich noch ein wenig mehr gedulden.

Wir jagen mit unseren Schiffen im Tiefflug über Pyro IV, eine kahle, wenn auch wunderschöne Welt. Irgendwann, in ferner Zukunft, da bin ich mir sicher, wird das alles besiedelt sein.

„Da ist es.“

Aus dem Dunst schälen sich die markanten Windräder des einsamen Outposts heraus, dann erkennen wir auch die Siedlung selbst.  Diverse Raumschiffe stehen auch hier auf den Landepads.

„Keine Angst“, sage ich zu Husky, „es wird schon gutgehen.“

Wir landen direkt nebeneinander und es bleibt alles friedlich. Minuten später laufen wir durch den Ort, der uns bei unserem ersten Besuch des Systems so einen großen Schrecken eingejagt hatte. Alles ist ruhig. Wir betreten mehrere Gebäude – und stellen fest: Es ist alles verlassen, nur ein paar Wachen sichern das Gelände, ignorieren uns aber.

„Vielleicht findet irgendwo eine Versammlung statt“, mutmaßt Husky.

Bestimmt hat sich auch bis hier herumgesprochen, dass die Vanduul wieder aufgetaucht sind. Vielleicht bereiten sie sich irgendwo vor oder sind sogar schon selbst in den Krieg gezogen. In jedem Falle ist es gut, Chawlas Beach noch einmal von seiner friedvollen Seite zu erleben. Manchmal muss man einfach noch mal zurückkehren, um Dinge für sich geradezurücken und abschließen zu können. Wir schauen uns noch ein wenig um, dann kehren wir erneut zurück zu unseren Schiffen.

Ich blicke auf meine Quantumfuel-Anzeige und checke die Karte.

„Bis nach Gaslight sollte ich es noch schaffen. Dort können wir auftanken.“

Als sich die kaputte Station aus dem sie umgebenden dichten Nebel schält, schießen mir sofort allerlei Erinnerungen durch Kopf. Wenn ich nicht irre, haben wir hier das letzte Mal Lyrana gesehen. Menschen kommen, Menschen gehen. Ich hoffe, dass sie wenigstens das Heilmittel erreicht hat.

„Landeerlaubnis erteilt“, blökt es aus dem Helmlautsprecher.

Ich lande auf dem rostigen Schrotthaufen und laufe kurz darauf durch den üblichen Unrat.

„Das Auftanken dauert ein wenig. Veraltete Technik“, sage ich zu Husky.

Wir steuern die Stationsbar an und holen uns zwei Bier.

Wortlos stoßen wir an, dann suchen wir uns ein Sofa in einer dunklen Ecke. Ich denke an das Kopfgeld, das in Pyro immer noch auf uns ausgesetzt ist und lächle in mich hinein – wenigstens sind unsere Köpfe etwas wert. Immerhin eine Million.

„Hör zu“, sage ich Husky, „was auch immer uns in den kommenden Wochen erwartet, wir beide halten zusammen.“

Er nickt stumm, damit ist es besiegelt.

.

Flug ins Blaue

Als ich in den Hangar zurückkehre, sehe ich Killer, wie er neben der Hornet steht und mit einem Mechaniker quatscht. Ich lächle – er kriegt schnell Kontakt zu anderen Menschen, hat weder Scheu noch Hemmungen. Darin ist er echt ein Naturtalent.

„Ausgepennt?“

Er dreht sich zu mir um.

„Ja, du hättest mich aber wecken können vor dem Sprung nach Pyro…“

„Du hast so fest geschlafen – und einen haben wir ja noch.“

Killer sieht mich beleidigt an.

„Hör zu“, sage ich, väterlich streng, „ich habe gesagt: Du kannst mitkommen. Aber Husky und ich müssen uns auf unsere Aufgabe konzentrieren können.“

„Okay…klar.“

„Willst du jetzt bei mir mitfliegen?“

Killer nickt.

Der Mechaniker signalisiert, dass der Tankvorgang abgeschlossen ist.

„Einsteigen und festhalten. Es wird ein wilder Ritt.“

Killer grinst und salutiert, dann klettert er die Co-Piloten-Leiter hinauf und schnallt sich fest. Ich folge ihm und fahre die Systeme hoch. Doch die Hornet startet nicht.

„Was ist das jetzt wieder?“

Ich versuche es noch einmal – nichts.

„Killer, haben die Mechaniker noch irgendwas anderes am Schiff gemacht als zu tanken?“

„Glaube nicht…das heißt, es hat kurz geblitzt, als der Mechaniker den Schlauch angeschlossen hat.“

„Geblitzt?“

„…ja er hat kurz geflucht. Dann ging‘s aber.“

Verdammt, bestimmt ein Spannungsüberschlag. Kein Wunder auf den uralten Pyro-Stationen.

„Ich boote das System mal neu.“

Ich funke kurz Husky an, dass mit der Hornet etwas nicht stimmt. Er ist mit der „Frost“ schon im All und dreht ein paar Runden um die Station. Hoffentlich crasht er nirgendwo rein, während die Hornet ihre internen Systeme neu kalibriert.

„Dauert nur ein paar Minuten.“

Mein Mobiglas piept.

Eine Nachricht von Smith, ich öffne das Mobiglas.

Doch er hat nichts geschrieben. Stattdessen ist an der Nachricht nur ein Anhang. Ich öffne ihn und sofort läuft es mir kalt den Rücken runter: Es ist ein Geheimdokument der UEE Naval Intelligence mit einer Übersicht aller gängigen Vanduul-Raumschiffe. Die Aufklärer und Jäger, Blade, Scythe, Glaive und Stinger sind darauf zu sehen, ferner große Bomber, Carrier, Korvetten, Begleitschiffe und in der Mitte prangt übergroß ein Kingschiff – mit einer Länge von über drei Kilometern, die Mutter aller Schreckensvisionen. Aus seinem Bauch schwärmen bei einem Angriff tausende Jäger und fallen ohne Gnade wie Hornissenschwärme über Planeten her.

Ich betrachte die fremdartigen Alien-Schiffe eingehend, ziehe mir das Bild größer – es sind Konstrukte wie aus einem Albtraum und erinnern an riesige scharfe Klingen und Krallen von Monstern, pure Werkzeuge des Todes. Warum schickt mir Smith dieses Bild? Wieso hat er es überhaupt? Hat er es gestohlen? Was zur Hölle erwartet uns in Nyx?

„Was schaust du dir denn da an?“

Killer hat sich auf seinem Co-Pilotensitz nach vorn gebeugt und blickt mir über die Schulter.

„Ich…nichts.“

Ich klicke Bild und Nachricht weg. Die Hornet gibt einen Piepton von sich – die Neukalibrierung ist abgeschlossen.

„Wir können los.“

Ich funke Husky erneut an, der immer noch seine Pirouetten außerhalb der Station dreht. Das Schiff startet wieder, alle Systeme fahren hoch, doch als ich nach dem Öffnen des Hangartores nach vorn beschleunigen will, macht die Hornet einen Satz rückwärts.

„Himmel.“

Offenbar ist der Schub invertiert.

Ich ziehe den Schubhebel nach hinten – und die Hornet fliegt brav vorwärts. Gut, dann muss es so gehen. Auf Levski werde ich das Schiff einem kompletten Systemcheck unterziehen lassen. Wir verlassen Gaslight. Killer sieht stumm aus der Cockpitscheibe hinaus in das fremde System.

„Die Station ist ja total kaputt.“

„Allerdings…“, antworte ich, „wie fast alles in Pyro.“

„Und hier warst du also so lange mit Husky?“

„Ja, waren wir.“

„Krass…der Himmel ist auch voll rot.“

Ich nicke.

Doch ich will mich nicht über Pyro unterhalten.

„…und, was weißt du über Nyx? Hast du mittlerweile gelesen, was ich dir gegeben habe?“

Killer strahlt übers ganze Gesicht.

„Ja, habe ich…ist echt interessant…“

Während ich mit der Hornet zu Husky aufschließe und wir gemeinsam in den Quantumflug zum Nyx-Sprungpunkt übergehen, referiert Killer über unser Ziel: Nyx wurde erstmals durch einen Sprungpunkt im Bremen-System von Navjumperin Carla Larry entdeckt. Trotz ihrer wenig ermutigenden ersten Einschätzung unternahm Larry den Versuch, die drei Welten des Sterns offiziell Lou, Morgan und Ashley zu benennen, offenbar nach drei verschiedenen romantischen Eroberungen.

Ich schmunzle. Da entdeckt man ein neues Sternensystem und das erste, was der Jumperin einfällt, ist, die Planeten nach ihren verflossenen Liebhabern zu benennen, alle drei Planeten besitzen eine giftige oder lebensfeindliche Atmosphäre  – auch eine Form der Vergangenheitsbewältigung.

„…sonst noch was Interessantes?“

Killer schiebt auf seinem Mobiglas ein paar Seiten umher.

„QV Planet Services wollte dann Ressourcen im Glaciem-Asteroidengürtel abbauen. War denen dann aber zu teuer und so sind sie wieder abgehauen. Haben alles stehen und liegen lassen. Heute wohnen da Piraten.“

„Okay, vor denen nehmen wir uns besser in Acht.“

Killer grinst – für ihn ist das alles hier nichts anderes als ein riesengroßes Abenteuer.

Mein Mobiglas piept erneut.

Wieder Smith.

Diesmal ist es nur eine Zahl.

Verdammte Geheimniskrämerei.

Ich berichte Husky davon, doch der kann sich darauf auch keinen Reim machen. Kurz danach fallen wir aus dem Quantum. Vor uns liegt das Nyx-Gateway. Ich nehme Tempo aus dem Schiff und wir lassen uns ein paar Minuten treiben. Liegt hinter diesem Tor meine Vergangenheit? Ich fühle: Nyx wird mir viele Antworten geben, nach denen ich seit Jahren suche.

Husky reißt mich aus meinen Gedanken.

„Können wir weiter? Ich wäre soweit“.

Killer blickt auf die Raumanomalie, die soeben von einem anderen Schiff passiert wird. Huskys „Frost“ folgt als nächstes, dann ist sie auch schon auf und davon.

„Alles klar auf den billigen Plätzen?“

Killer reckt zaghaft den Daumen nach oben.

Ich schwenke die Hornet auf den Sprungpfad ein, alles rastet ein und kurz darauf öffnet sich die Raumanomalie erneut – diesmal für uns. Ich ziehe den Schubhebel leicht nach hinten, dann hat uns das Loch im Weltraum auch schon verschluckt. Erneut geht es wild hin und her, ich komme den Tunnelwänden mehr als einmal gefährlich nahe, reiße die Hornet im letzten Moment herum, Killer schreit irgendwas hinter mir. Wieder folgen Windungen auf Windungen. Dann ändert sich die Farbe von rötlich auf bläulich und schließlich fallen wir wieder aus dem Sprungpunkt.

Wir sind in Nyx.

Vor uns schwebt eine riesige Station.

„Alles klar, Killer?“

Er hat die Augen weit aufgerissen.

Ich verabrede mit Husky, noch mal kurz zu landen, etwas zu trinken und Killer eine Atempause zu gönnen. Mein Mobiglas, das automatisch meine Körperfunktionen überwacht, zeigt eine recht hohe Dehydrierung an. Ich lande, Killer bleibt unterdessen im Schiff. Ich laufe zum nächstbesten Kiosk und kippe mir ein paar Wasser hinter die Binde. Vor dem Panorama-Fenster öffnet sich unterdessen die Anomalie ein weiteres Mal. Noch nie waren wir so weit entfernt von Stanton. In meinem Kopf verschwimmen Enos, ASD und Onyx zu einem undeutlichen Brei. Alles ist nun plötzlich ganz weit weg und irgendwie doch noch ganz nah. Schließlich kehre ich in den Hangar zurück.

„Hat das Schiff eigentlich einen Namen?“

 Killer reißt mich aus meinen Gedanken, die wild durcheinander gehen.

„Ich hatte mal einen. Gib du ihm doch einen neuen.“

Killer lächelt.

„Okay…bis wir da sind, hab‘ ich einen.“

Wir starten wieder und machen uns auf den Weg nach Levksi. Als wir wieder aus dem Quantum fallen, hat sich die Stimmung des Systems komplett gedreht: Es ist nun in blau getaucht – und wir befinden uns mitten in einem riesigen Asteroidenfeld, das sich durch das ganze System zu ziehen scheint.

„Wunderschön“, sagt Killer und ich bin ebenfalls überwältigt. Staunend blicken wir aus dem Cockpit. Es wirkt, als würde das Weltall aus lauter Scherben bestehen, als hätte jemand einen gigantischen Spiegel zerbrochen. Husky ist voraus und fliegt mit seiner „Frost“ zwischen den Gesteinsbrocken umher. Keine Frage: Die Wunder des Weltalls sind großartig, wenn man sich den Blick dafür bewahrt.

„Das da vorn sieht aus wie eine menschliche Behausung“, meldet Husky plötzlich und dreht das Schiff auf einen Felsen ein, der eindeutig größer ist als alle anderen.

„Das muss Delamar sein, die Heimat von Levski“, sage ich. „Killer, check mal, was darüber im Spectrum steht.“

Killer öffnet sein Mobiglas, dann projiziert es auf unsere Schiffs-Schirme:

Ein dichter Asteroidengürtel umkreist den Stern von Nyx. Das Feld beherbergt zahlreiche Bergbau-Außenposten und ist in Nyx als Ort bekannt, um unerwünschte Aufmerksamkeit zu vermeiden. Eine unbekannte Anzahl kleiner Siedlungen wurde auf den Asteroiden gegründet, deren Bewohner alles Mögliche suchen – von einem Leben außerhalb der UEE bis hin zu einer Plattform, von der aus sie außerhalb des Gesetzes operieren können.

Das Highlight dieser Siedlungen ist Delamar, der größte der Asteroiden. Die ehemalige Bergbauanlage von QV Planet Services ist ein Labyrinth aus Tunneln. Ursprünglich für eine kleine Population von Bergleuten und Ingenieuren gedacht, wurde die Station einst nur mit dem Notwendigsten und einem Minimum an Komfort ausgestattet.

Tief im Glaciem-Ring versteckt, ist Delamar heute die Heimat der Peoples Alliance, die eine alte, verlassene Bergbauanlage in eine Kolonie umgewandelt und „Levski” getauft hat – zu Ehren eines alten Revolutionärs von der Erde und seines Traums von einer egalitären Gesellschaft. Als Gegner der Messer-Ära der UEE machte die Peoples Alliance Delamar zu einem Zufluchtsort für politische Radikale und Anti-UEE-Kräfte, die sich für die Schaffung einer gerechten Regierung einsetzten.

 „Hier sind wir richtig“, sage ich.

Killer liest den Absatz noch mal leise.

„Wer war denn dieser Messer?“, fragt er schließlich.

„Ein echt fieser Typ, vor dem alle geflohen sind. So ein Diktator. Ist aber schon lange her.“

„…und was ist eine egalitäre Gesellschaft?“

Ich steuere den riesigen Felsen an, auf dem schließlich menschliche Bauten zu erkennen sind. Sie sind gut versteckt und erst auf den letzten Moment sichtbar.

„…das ist…später Killer…ich muss mich jetzt erstmal auf den Anflug konzentrieren.“

Husky ist bereits in dem Gewirr aus Felsen, Stein und Stahl verschwunden.

„Husky, hörst du mich?“

„Ja, sei vorsichtig beim Anflug, ist alles verdammt eng.“

„Roger.“

Ich fliege näher ran und bin tief beeindruckt: Mitten durch einen Asteroiden wurde ein riesiges Bohrloch getrieben und der Felsen selbst dann bewohnbar gemacht. Wir durchfliegen den gigantischen Schacht, umkreisen Levski mehrfach. Halb ist Levski Zufluchtsort für Gestrandete und UEE-Gegner, halb aber immer auch noch ein unter Strom stehender Industriekomplex, wie die zahlreichen technischen Aufbauten, Stahlträger und Rohre zeigen. Überall wird Gas abgefackelt.

Husky fragt nach einer Landeerlaubnis und ich folge ihm.

„Wir landen“, sage ich zu Killer. Kaum habe ich die Systeme der Hornet heruntergefahren, springt Killer auch schon aus dem Cockpit. Der Hangar wurde mitten in den Fels gehauen, irgendwie hat das Ganze etwas von Grimhex.

„Lass uns mal umschauen, aber vorsichtig.“

Uns begrüßt ein Banner auf Levski. Wir fahren mit einem Fahrstuhl nach oben, passieren eine Art Schleuse, dann stehen wir auch schon in der Empfangshalle der Station. Wir sind weitestgehend allein, Husky trudelt ebenfalls ein. Killer blickt sich mit raschen Blicken um, so, als würde er alles rasend schnell in sich aufnehmen und verarbeiten.

„Da vorn…davon habe ich schon mal gehört“, sagt Husky und zeigt auf etwas. Wir folgen ihm und nur Momente später stehen wir vor einer Statue, die im ganzen Verse bekannt ist – dem Gedenkmemorial für Anthony Tanaka. Kerzen sind am Sockel des Denkmals angezündet worden und beleuchten es. Killer betrachtet das Denkmal eingehend – ein Arbeiter hält ein totes Kind in den Armen.

„Wer war das“, fragt er schließlich.

Ich öffne mein Mobiglas und lese es ihm vor:

Anthony Tanaka war ein Kinderarbeiter, der im Jahr 2757 von einem Agenten der Advocacy hingerichtet wurde, weil er sich nach einer 16-stündigen Schicht in einer Munitionsfabrik geweigert hatte, weiterzuarbeiten. Aufnahmen des Mordes wurden aus der Fabrik geschmuggelt und wurden zu einem Symbol des Widerstands gegen die wachsende Anti-Messer-Bewegung. Das Tanaka-Denkmal erinnert die Peoples Alliance feierlich daran, niemals zur UEE zurückzukehren. Jedes Jahr am 3. Dezember wird mit dem Anthony-Tanaka-Gedenktag das Kind geehrt, dessen Akt des Widerstands zu einem Schlachtruf im ganzen Empire wurde.

Wir stehen ein paar Minuten andächtig vor dem Denkmal. In Killer arbeitet es, dann lösen wir uns langsam und gehen weiter. Je mehr wir uns umschauen, um so unglaublicher fühlt sich der Ort an – aus den paar Tunneln, die einst für die Bergarbeiter angelegt wurden, ist im Lauf der Jahrhunderte ein riesiger unterirdischer Komplex geworden.

„…und hier lebt diese Peoples Alliance, die vor dem Messer geflohen sind?“

Ich nicke Killer zu.

„Allerdings brauchten sie eine gewisse Zeit, bis sie rausgefunden hatten, wer sie wirklich sein wollten. Manche wollten von hier aus illegale Geschäfte betreiben, andere nur ihre Ruhe. Auch hat man Menschen abgewiesen, die eigentlich Hilfe gebraucht hätten.“

„Das ist aber nicht nett.“

„Nein, aber es ist eben schwierig, eine egalitäre Gesellschaft aufzubauen. Das heißt eine Gesellschaft, in der wirklich alle gleich sind. Nicht wie Hurstons, wo manche extrem reich sind und die meisten Menschen im Dreck leben.“

Killer denkt über die Worte nach.

„Mir gefällt‘s hier.“

„Gut, dann lass uns mal das Krankenhaus ansteuern. Erstmal peppen wir uns nach der langen Reise auf und dann hinterlegen wir hier für den Notfall unser Imprint.“

Die Klinik von Levski ist direkt von der Empfangshalle aus erreichbar und zieht sich über mehrere Stockwerke. Allein dieser Umstand zeigt, dass auf der Basis tausende Menschen leben müssen, auch wenn wir bisher kaum welchen begegnet sind.

„Stockwerk acht, Zimmer fünf“, sage ich nachdem mir das Terminal einen Behandlungsraum zugewiesen hat. Wir nehmen den nächsten Fahrstuhl, dann erreichen wir auch schon das Zimmer. Wir legen uns der Reihe nach auf das Medibett, das seinen Job anstandslos erledigt. Während die anderen versorgt werden, checke ich noch mal die weiteren verfügbaren Infos zu Levski.

„…hier steht, dass die Wohnquartiere der ständigen Bewohner von den öffentlichen Räumen strikt getrennt sind. Deshalb sieht man nur so wenige Menschen. Da kommt man auch nicht ohne Weiteres hin. Und an den Checkpoints soll man auf Taschendiebe achten.“

Killer grinst. Ihm scheint es hier immer besser zu gefallen.

Wir kehren zurück in die Lobby des Krankenhauses, passieren gleich mehrere Bewohner, die unter starkem Husten leiden.

„Was haben die denn?“

Husky zuckt mit den Achseln.

„Keine Ahnung, aber vielleicht sollten wir lieber unseren Helm aufsetzen.“

Wir laufen der Nase nach weiter über die Station, als Husky etwas Interessantes entdeckt.

„Hier, ich habe die Lebensregeln für Levski gefunden.“

Diese lauten:

  • Verunglimpfe niemals die Ansichten oder Ideen anderer. Wir alle haben ein Recht auf unsere eigenen Überzeugungen.
  • Versuche nicht, Profit zu machen, andere auszubeuten oder Pläne zu schmieden, um jemandem seine Güter oder Gesundheit zu nehmen.
  • Verfolge keine UEE-Agenda innerhalb unserer Gemeinschaft.
  • Stimme zu, Konflikte auf gewaltfreie Weise zu lösen.
  • Stimme zu, Zeit (egal wie wenig) damit zu verbringen, darüber nachzudenken, was du heute getan hast, um das Universum zu einem besseren Ort zu machen.
  • Auch wenn du mit uns nicht einverstanden bist, wirst du unser Recht auf Leben respektieren.

„Klingt nicht schlecht, aber offenbar mögen sie hier keinen Widerspruch“, sagt Husky.

Wir fahren mit einem weiteren Fahrstuhl tiefer in die unterirdische Siedlung hinein, laufen durch weitere roh behauene Gänge, die offenbar aus der Zeit des Bergbaus stammen, dann gelangen wir eher durch Zufall in das Herz der Anlage: Den Grand Barter Markt, einen Basar, auf dem man alles finden kann, was das Herz begehrt. Killer ist sofort Feuer und Flamme. Wir laufen zu dritt an Shops und Ständen vorbei an denen es einfach alles gibt – von Nippes über Werkzeug bis zu Pflanzen und Essen. Wie in jedem Dorf der Marktplatz ist dies der Ort der Gemeinschaft Levskis, des Austauschs und des Tratsches. Hier findet das gesellige Leben statt. Husky kauft sich sofort ein paar neue Klamotten. 

Killer ist angesichts der vielfältigen Eindrücke kaum noch zu halten. Ich freue mich –  ist es gefährlich, dass ich ihn mitgenommen habe? Ganz bestimmt. Und doch: Ihn so aufgeräumt zu sehen, so gelöst von seiner Vergangenheit, ist einfach schön. Habe ich ihm nicht versprochen, herauszufinden, wo er hingehört? Das habe ich – und nun sind wir genau auf diesem Weg.

Husky zieht sich in einer Ecke um, dann schimpft er plötzlich lauthals.

„Ey, mein Rennhelm…eben noch hat er hier gelegen…“

Hektisch sucht Husky den Boden ab, schaut nach, ob er hinuntergefallen sein könnte, doch innerhalb von Sekunden scheint sich sein Helm in Luft aufgelöst zu haben.

„Geklaut“, sagt Husky schließlich frustriert. „Als ich mich nur einmal kurz umgedreht habe.“

„…die machen hier kein großes Federlesen“, sage ich und schaue ebenfalls, ob ich den Helm noch irgendwo entdecke. „Ich wette, in ein paar Tagen liegt er hier irgendwo in einer Auslage zum Verkauf.“

„Mist verdammter.“

Husky ist stinksauer.

Wir laufen weiter über Markt und ich lese noch mal im Spectrum nach: Der Markt hat keine etablierten Standplätze. Verkäufer bauen ihre Verkaufsstände einfach dort auf, wo sie gerade einen Platz ergattern, was bedeutet, dass es keine Garantie dafür gibt, dass ein Verkäufer auch am nächsten Tag wieder da ist. Wenn man also etwas Interessantes findet, sollte man es am besten gleich kaufen.

„Hier gibt’s auch noch eine Bar – Café Musain.“

Wir schauen uns noch ein wenig um, dann steuern wir die örtliche Kneipe an. Es geht ein paar Treppen hinab, dann stehen wir in einer Bar, die im Vergleich zu den Spelunken, mit denen wir in Pyro das Vergnügen hatten, sauber und gepflegt aussieht. Doch die Bar ist weitgehend verlassen, selbst die legendäre Barkeeperin Clari Rios ist nicht da, die stets bereit ist, mit ihren Drinks „die Zahnräder der Revolution zu schmieren“, wie es auf Levksi heißt.

„Vielleicht ist gerade Sperrstunde“, sage ich.

„Ich bin eh total müde und müsste dringend mal die Augen zumachen“, erwidert Husky. Seit unserem Aufbruch in Stanton auf Microtech haben wir nicht mehr geschlafen. Ich blicke Killer an – auch er sieht total geschafft aus. Erst die Aufregung vor dem Start, dann die vielen neuen Eindrücke…

„Los, wir suchen uns die Habs.“

Levski wird in den kommenden Monaten eine entscheidende Rolle in unserem Leben spielen.

.

Die Enklave

„Wir, die Peoples Alliance von Levski, setzen uns für die Schaffung und kontinuierliche Entwicklung einer wahrhaft egalitären Gemeinschaft ein, in der sich alle fühlenden Wesen sicher fühlen und frei ihre Ideen äußern können, während sie sich gegenseitig auf dem Weg zum gemeinsamen Ziel der aufgeklärten Selbstversorgung unterstützen.“ – Absichtserklärung, 2655

 Dreihundert Jahre ist das jetzt her.

 Pure Utopie – wann hätte sie jemals wirklich funktioniert?

Ich stehe auf und verlasse mein Hab – direkt nebenan hat Killer geschlafen.

Ich klopfe an seine Tür.

Nichts.

Verdammt, wenn der Junge erstmal schläft, ist er kaum wachzubekommen.

Ich trommle stärker gegen das Hab.

An mir schlurft ein seltsamer Typ vorbei.

„Suchst Du den Jungen?“

Ich drehe mich schlagartig zu ihm um.

„Ja…“

„Der ist weg.“

„Was hast Du gesagt?“

„Der ist weg.“

Der Typ zeigt zur Tür hinaus.

Ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen. Außerhalb des Habs höre ich laute Stimmen. Es war ein Riesenfehler Killer mitzunehmen, das wird mir schlagartig bewusst…ich renne zum Schott, das die Habs von der restlichen Station trennt. Kaum öffnet es sich, springe ich hinein und hämmere auf das Display.

Verdammt, ich hätte den Typen fragen sollen, wie lange es her ist, dass Killer weg ist. Und ob jemand bei ihm war. Ich erreiche die große Halle und blicke mich hektisch um – nichts. Ich rufe mir die Wege ins Gedächtnis, die wir nach unserer Ankunft gemeinsam mit Husky gegangen waren. Killer kann überall sein – sofern er überhaupt noch auf der Station ist. Dann habe ich eine Eingebung – und steuere den Grand Barter an. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis der Fahrstuhl die Ebene tiefer erreicht. So schnell ich kann, renne ich zum Markt, springe die Treppen hinunter  – und erspähe Killer, wie er mit einem anderen Jungen an einem Stand mit Ersatzteilen für Schiffe etwas zusammenschraubt. Er ist ganz in sich versunken. Der andere Junge schaut Killer fasziniert zu. Erst als ich direkt hinter ihm stehe, blickt er auf und dreht sich um.

Stolz dreht Killer das Aggregat in den Händen.

„Schau, das habe ich repariert. Es wäre sonst weggeworfen worden.“

Ich bekomme kein Wort heraus, bin erleichtert und wütend zugleich.

„Killer…Du kannst nicht einfach wegrennen. Wir sind eben erst hier angekommen…“

„Du musst dir keine Sorgen machen. Und ich bin doch Mechaniker.“

Ich atme tief durch.

„Und wer ist das?“

Ich zeige auf den anderen Jungen.

„Mein neuer Freund, seinem Vater gehört der Laden.“

Der andere Junge blickt mich mit großen Augen an.

„Kann Killer noch ein wenig hierbleiben? Kann super Sachen reparieren.“

Ich nicke.

„Du erreichst mich jederzeit übers Mobiglas. Und sag einfach Bescheid beim nächsten Mal.“

Doch Killer ist schon wieder tief in das nächste kaputte Teil vertieft.

Ich stromere allein über den Markt und versuche runterzukommen. Irgendwie war ja auch klar, dass es nicht einfach werden würde, gemeinsam mit einem heranwachsenden Jungen unterwegs… Ich versuche mich abzulenken und schaue mich um. Es herrscht der gleiche Wuselfaktor wie bei unserem ersten Besuch. Ich blicke hierhin und dorthin, statte „Café Musain“ einen weiteren Besuch ab, doch es ist so tot wie am Abend zuvor. Vielleicht ist den „Levskianern“ aktuell auch einfach nicht nach Feiern zumute – kein Wunder bei dem Damokles-Schwert, das über ihnen schwebt.

Auch scheint es sich bei der Peoples Alliance um eine ziemlich durchmischte Gemeinschaft zu handeln. Levski  zieht politisch verschiedenste Gruppen an, die sich zwar ähnlich genug sind, um zusammenzuleben, aber gleichzeitig zum Teil sehr unterschiedliche Ziele verfolgen. Kurzum: Es ist gar nicht so groß anders als anderswo. Und mir wird klar: Trotz offizieller Lebensregeln, trotz Absichtserklärung und wohlfeiler Worte darf man auch auf Levski keinem einfach so über den Weg trauen.

Ich biege vom Grand Barter ab in die alten Stollen, langsam wird das Stimmgewirr leiser, dann dringe ich immer tiefer in die Bergbaustation ein. Ich statte dem örtlichen Waffenladen ebenfalls einen Besuch ab, schließlich verschluckt mich der ausgehöhlte Riesen-Asteroid ganz. Es fühlt sich an wie eine Zeitreise, zurück zu den Anfängen, als die Menschheit begann, das Weltall zu besiedeln. Irgendwann passiere ich riesige Rohre und bin beim unterirdischen Belüftungssystem angekommen. Einmal mehr bin ich vom unbedingten Willen des Menschen beeindruckt, sich auch den unwirtlichsten Ort untertan zu machen. Ich beobachte Arbeiter, die ihre Schicht abreißen, die alles am Laufen halten und das Leben auf Delamar ein paar Stockwerke höher überhaupt erst ermöglichen. Riesige Ventilatoren pumpen unablässig Luft in das verzweigte Höhlensystem.

Ich steige wieder hinauf aus der Tiefe, lasse die Station hinter mir, von der einst der riesige Bohrkopf in den Asteroiden getrieben wurde, danach verschlägt es mich auf das Raffinerie-Deck, wo es extrem heiß und laut ist. Ich erinnere mich an meinen Artikel „Im Bauch des Verse“, den ich mal geschrieben hatte. Anscheinend herrscht gerade Mittagspause, auch wenn die Hochöfen ihren Dienst automatisch versehen und rund um die Uhr laufen. Überall zischt und dampft es. Ich laufe zu einer Wache, fange ein Gespräch an.

„Wie geht`s?“

„Okay, so weit“, erwidert der Arbeiter und hebt kurz den Kopf. „Jeden Tag der gleiche Mist. Außer natürlich…die Vanduul…“

„…macht euch Angst, oder?“

Die Wache nickt und bringt mich auf den neuesten Stand, vielleicht hat sie einfach Langweile: So hätten die Übergriffe aus dem benachbarten Virgil-System in letzter Zeit deutlich zugenommen. Bislang handelt es sich bei den Attacken aber nur um kleine Raubzüge, deren Kennzeichen mit denen keiner bekannten größeren Clans übereinstimmen.  Allgemeine Hoffnung auf Levski ist, dass es sich lediglich um kleine Plünderer-Clans handelt, die gezwungen sind, ihr Glück in Nyx zu versuchen, und nicht um Spähtrupps größerer Clans, die das System für eine Invasion auskundschaften – trotz Großkampfschiff, das ja ebenfalls bald eintreffen soll.

„Sieht beschissen aus“, sagt der Arbeiter schließlich und beißt von seinem Pausenbrot ab. „Wir patrouillieren mittlerweile sogar gemeinsam mit den Moraines im System, um nach den Vanduul Ausschau zu halten und viele laufen auch auf Levski pausenlos mit gezogener Waffe herum.“

„Moraines, wer ist das?“, frage ich.

„Die hiesigen Piraten.“

Ich nicke und verarbeite die neuen Informationen.

„Alles Idioten da oben“, sagt der Arbeiter schließlich, macht eine Kopfbewegung zur Decke und steht auf.

Offenbar ist seine Pause vorbei.  

Wie hatte die Allianz offiziell in der „Vox Populi“ klargestellt? Selbst wenn sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten sollten und ein Vanduul-Kingship in Nyx auftaucht, die Peoples Alliance wird sich  nicht an die UEE wenden, um Hilfe zu erbitten. Zuletzt hat die UEE Söldner von InterSec Defense Solutions in Nyx eingesetzt, um das Empire vor der aufkommenden Bedrohung durch die Vanduul zu schützen, ohne dabei offiziell die Unabhängigkeit der Enklave zu verletzen.

Ich stimme dem Arbeiter zu: Idioten.

Wenn wirklich ein Vanduul-Großkampfschiff in Nyx eindringt und die Peoples Alliance keine schlagkräftige Hilfe holt, machen die Monster aus ihrem Asteroiden Sternenstaub – UEE hin oder her.

Ich verabschiede mich, doch dann drehe ich mich noch mal um.

„Viel Glück…übrigens, weißt du, wo das Admin Office ist?“

„Wir haben keines“, erwidert die Wache noch mit vollem Mund.

„Ich suche jemanden…“

„Frag mal am Tresen von Teach‘s Ship Dealer, die sind am besten vernetzt.“

Bei „Teachs Ship Dealer“ geht es zwei Ebenen höher ebenfalls eher geruhsam zu. Generell scheint es, dass sich auf Levski die Menschen nicht zu sehr stressen, abgesehen natürlich von der allgemeinen Bedrohungslage durch die Vanduul. In der riesigen Halle sind Schiffe ausgestellt, die vor allem Arbeitstiere sind – Freelancer, Prospectoren und andere. Mit Schickimicki kann man in Nyx nicht viel anfangen.

Ich laufe direkt zum Counter.

„Hi, ich bin Teach – was soll es denn sein?“, begrüßt mich der Verkäufer ohne Umschweife.

„…nur eine Auskunft, ich suche jemanden….“

„Name?“

Ich zögere kurz.

„…Smith…“

„Kenne ich nicht – vielleicht hat er dir eine Nachricht hinterlassen…wie ist denn dein Name?“

Ich zögere erneut.

„Brubacker, John“, sage ich so leise wie möglich.

„Code?“

„Wie bitte?“

„Dein Code?“

Für einen Moment weiß ich nicht, was er von mir will, dann fällt es mir ein.

„9955.“

Der Verkäufer tippt auf seinem Terminal, dann piept es auf meinem Mobiglas – darauf ist ein Augen-Symbol zu sehen. Ich zeige es dem Verkäufer.

„Wow, muss ja extrem wichtig sein, Retinascan-verschlüsselt.“

Ich klicke das Symbol an und an dessen Stelle erscheint ein kleiner Scanner.

„Könntet ihr eigentlich mein Schiff durchchecken, es bräuchte einen  kompletten Systemcheck, fliegt immer in die falsche Richtung, wenn ich Schub gebe…“

Teach nickt lächelnd, ich übermittle ihm die Daten der Hornet.

„Klar. Und wenn du mal ein neues Schiff brauchst oder ein Upgrade, du weißt, wo du uns findest…“

Ich suche mir eine ruhige Ecke und öffne die Nachricht. Ich halte das Mobiglas direkt an mein Auge, sodass ein kleiner Retinascanner meine Iris scannen kann. Ich hatte keine Ahnung, dass ein Mobiglas über solche Funktionen verfügt – aber man lernt ja nie aus. Es wird ein Schloss eingeblendet, das sich mit einem Piepton öffnet, dann kann ich Smith‘ Nachricht lesen. 

Ich blicke hinaus auf die monströse Industrie-Anlage, die sich für viele Menschen Heimat nennt. Neben mich stellen sich zwei Leute und plaudern über irgendwelche Nebensächlichkeiten.

„Wo kann man hier raus?“, grätsche ich dazwischen.

„Da hinten, der Aufzug bringt dich direkt nach oben. Helm nicht vergessen.“

Der eine Typ lächelt.

„Danke“, erwidere ich knapp.

Nach Smith Nachricht will ich nur eines: allein sein, keinen Menschen sehen.

Draußen angekommen, laufe ich schnellen Schrittes die riesige Anlage ab – und erst jetzt wird mir klar, wie unfassbar groß sie eigentlich ist. Fördertürme ragen weit ins tiefe Blau des Himmels. Ein Wunder, dass das alles immer noch halbwegs funktioniert. Manches sieht aber auch schon recht altersschwach aus.

Immer wieder blicke ich zurück, während über mir Schiffe auf Levski ankommen und abfliegen. Das Ganze hat etwas von einem Bienenstock. Ich passiere riesige Landepads, dann springe ich spontan einfach über eine Brüstung ins Nichts und lasse mich über die Station treiben – so wie meine Gedanken.

Ich lasse meine Augen wandern, lasse alles an mir vorbeiziehen wie ein übergroßes Panorama. Immer wieder ergeben sich neue Ausblicke, Levski offenbart seine ganze Pracht und was die Menschen erreichen können, wenn sie nur wollen. Die Basis erstreckt sich auf dem Asteroiden bis zum Horizont und darüber hinaus. Wie viele Besucher haben das schon mal gemacht, so einfach frei um die Station zu schweben?

Ich wette, die allerwenigsten.

  To be continued

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