Meister der Diplomatie

Die Xian sind die Menschen wegen ihrer langen Lebensspanne vielfältig überlegen
von Nick Cartago

Schön, dass Sie eingeschaltet haben, hier ist Standpunkt, mein Name ist John Brubacker und heute habe ich wieder einen interessanten Gast aus dem Empiree zu einem Interview eingeladen…wir hatten erst vor kurzem zwei Alienschiffkäufer der Explorer Germany im Studio. Und da sich auch in diesem Jahr der Erstkontakt der Menschen mit einer Alienrasse wieder am 6. Juni jährt, habe ich mir einen von Ihnen nochmals eingeladen. Sie kennen ihn bereits, ich begrüße meinen geschätzten Kollegen Nick Cartago im Studio.

Howdy Truckies, einen schönen guten Tag, liebe Hörerinnen und Hörer von “Radio Infinity” da draußen im Verse!

Nick, bei Deinem letzten Besuch sprachen wir über Deine Vorbestellung der Gatac Railen. Du hast uns sehr eindrucksvoll vermittelt warum Du bei der Ankündigung dieses gut bewaffneten, mittelgroßen Handelsschiffs direkt zugeschlagen einen Kaufvertrag abgeschlossen hast. Ich hatte den Eindruck, dass Du Dich vorab intensiv mit dem Hersteller und seiner Geschichte auseinandergesetzt hast.

Ja, ganz recht. Als Cargo-Pilot gehört es zum Job seine Hausaufgaben zu machen bevor man Pläne schmiedet und wichtige Entscheidungen trifft.

 Ja, das habe ich gemerkt. Denn als ich Dich gefragt habe, ob Du bereit wärst einen Standpunkt rund um den Tag des Erstkontakts mit mir zu gestalten hast Du sofort zugesagt. In unserem Vorgespräch ist mir dann klar geworden, dass Deine Definition von Hausaufgaben meiner gleicht.

Ich denke es kommt eben immer darauf an wie sehr man sich für ein Thema interessiert. Für mich kam das Interesse rund um unsere nachbarschaftlichen Beziehungen im letzten August, da habe ich mich sehr über das “Nein” zur Nominierung des verdienten Xian-Botschafters Tyi für einen Sitz im UEE-Senat geärgert.

Was genau hat Dich daran geärgert?

Ich hatte das Gefühl, die Ablehnung folgte einer allgemeinen Skepsis, einer nebulösen Angst. Die Messers haben es perfektioniert, Vorbehalte zu Ängsten zu verdichten, die uns in ein finsteres Zeitalter und schließlich in einen über 250-jährigen kalten Krieg führten lange bevor die Vanduul die Bühne betraten. Ich möchte hier gerne mal daran erinnern, dass weder die Banu noch die Xian uns gegenüber jemals aggressiv aufgetreten sind. Andersherum sieht das schon ganz anders aus: Wir haben beim Erstkontakt das Feuer eröffnet. Auch wenn Navjumper Vernon Tar mit seiner Attacke lediglich einen Konkurrenten ausschalten wollte, sollte man mal den Blickwinkel wechseln und das aus der Sicht eines Banu bewerten. Oder man stelle sich für einen Moment vor, das wäre ein Vanduul gewesen… Und wenn wir aus der Sicht eines Xian den Erstkontakt mit uns einordnen, kommen wir nicht umhin den Menschen die Rolle des Aggressors zuzuschreiben.

Starke Worte. Ich habe die Übertragung aus dem Kongress damals live auf Spectrum gesehen. Was hälst Du denn von der Einlassung von Senator Peter Hardwell aus dem Vega-System?

Schön, dass Du danach fragst. Darauf wollte ich gerade kommen.

Lass mich nur kurz den Hörerinnen und Hörern seine Argumentation nochmal ins Gedächtnis zurückrufen bevor Du antwortest.

Aber sicher doch.

Hardwell warb im Augsut 2951 für ein NEIN in der Abstimmung um die Nominierung eines Xian für den UEE-Senat mit dem Hinweis auf die sehr unterschiedliche Lebenweisen beider Spezies. Tatsächlich leben noch heute viele Xian, die die Geschehnisse rund um den Erstkontakt unserer Rassen oder die Messer-Ära persönlich mitverfolgten. Das verschafft ihnen einen offensichtlichen Informationsvorteil. Da den Menschen bis heute ein vergleichsweise begrenzter Einblick in Ihre Kultur gewährt wird, läge nunmehr  ein Risiko darin, den Xian über einen Sitz im Senat Zugang zu einem Leitgremium des UEE zu verschaffen ohne sich der langfristigen Ziele der Xian wirklich sicher sein zu können, so führte Hardwell aus.

 Sein Standpunkt erreichte am Ende eine Mehrzahl der Stimmberechtigten, denn das Votum fiel gegen eine offizielle Nominierung von Botschafter Tyi aus. Bemerkenswert an der Debatte fand ich, dass in Hardwells Beitrag deutlich zum Ausdruck kam, dass es in diesem Fall nicht um die unstrittigen Verdienste von Tyi selbst ging, sondern um eine generelle Skepsis gegenüber einem Einflussgewinn der Xian auf den Senat. Und das war der Auslöser für Deinen Ärger darüber, richtig Nick?

Gut analyisert John. Ich empfand diese Skepsis als unbegründet und habe mich darüber wirklich enorm geärgert. Zu oft schon haben die Menschen in ihrer Geschichte andere Rassen ohne hinreichenden Grund ausgeschlossen, man denke nur an die jahrhundertelange Unterdrückung von Schwarzen, Homosexuellen, Andersgläubigen oder auch politischer Opponenten. Die menschliche Geschichte ist durchzogen von so vielen Beispielen. Sie alle haben eines gemeinsam: Eine Ausgrenzung ohne echte Gründe, letztlich nur macht- oder angstgetrieben. Sowas finde ich in höchstem Maße verwerflich und unangemessen an der Schwelle zum vierten Jahrtausend. Ich meine es stünde uns gut zu Gesicht, faktenorientierter zu handeln. Und das bedeutet eben seine Hausaufgaben zu machen.

Worauf spielst Du an, Nick? Denkst Du die Senatoren haben in diesem Fall die Fakten außer Acht gelassen und rein subjektiv entschieden?

Genau diese Frage hat mich beschäftigt. Und ja, sicherlich haben einige aus Verunsicherung mit NEIN gestimmt, das wären dann diejenigen, die keine Hausaufgaben gemacht hatten. Denn Unwissenheit ist der Partner der Angst. Das ist ja nichts Neues. Ich bin Hardwells Ausführungen dann während eines langen, langweiligen Cargo-Runs nachgegangen und habe mal die Geschichte der Xian recherchiert. Schließlich musste ich ihm aber sogar recht geben. Ich möchte sagen, er hat seine Hausaufgaben wirklich gemacht, denn in der Geschichte der Xian gibt es Ereignisse, die tatsächlich für eine gesunde Skepsis zum derzeitigen Stand unserer Beziehung sprechen.

Moment, nur um das klarzustellen: Du warst verärgert über die Entscheidung des Senats gegen die Nominierung von Botschafter Tyi – und beim Blick in die bekannte Geschichte der Xian hat sich Deine Meinung geändert?

Ja, genau das ist passiert. Ich basiere meine Entscheidungen am liebsten auf objektiven Feststellungen und weniger auf einem Gefühl. Das macht für mich auch den Wert einer ordentlichen Recherche aus: Seine Meinung aufgrund neuer Erkenntnisse ändern zu dürfen oder gar zu müssen.

Na, jetzt bin ich aber gespannt, was war denn der Auslöser für Deine Neubewertung?

Also, John, zunächst: Die Xian sind eine raumfahrende Rasse und können Sprungpunkte navigieren. Sie sind uns technisch voraus, um nicht zu sagen überlegen. Sie entdeckten das Terraforming bereits um 25.000 v. Chr. nach unserer Zeitrechnung. Eine Reihe von Vulkanausbrüchen zwang ihre bis dahin autark nebeneinander existierenden Häuser dazu, ihre Ressourcen zu bündeln, um die als Folge der Vulkanausbrüche lebensbedrohliche Abkühlung ihres Heimatplaneten umzukehren. Es gelang ihnen dank Geohacking, mit den Vorläufern heutiger Orbital- Terraformer.

Aber ihre Einigkeit hielt nicht lange. Als die letzte Tochter des Hauses Kl.ō versuchte, zum Haus Uai’i überzulaufen, eskalierten die bereits seit tausenden von Jahren schwelenden Feindseligkeiten zwischen den Häusern. Weitere Häuser wurden in den Konflikt hineingezogen und die Xian erlebten ihren ersten Bügerkrieg, das war um 20.000 vor Christus, bekannt als „Die Große Spaltung“.

Und genau dort fand ich ein denkwürdiges Ereignis, was den Umgang der Xian mit Widersachern anbelangt und charakterisiert: Der Krieg endete nämlich dadurch, dass Mitglieder des Hauses Kl.o ein Netzwerk von Wettersatelliten um ihren Heimatplaneten Hyoton III sabotierten, um die Anführer der anderen Häuser zu ermorden während diese mitten in den Friedensverhandlungen waren. Ihr Plan ging schief – also die Sabotage gelang – nur löste sie tragischerweise eine Kettenreaktion aus, die die Atmosphäre ihrer Heimatwelt RyiXy’an zerstörte. Millionen Xian starben dabei. Die Ereignisse zwangen die Xi’an schließlich dazu, ihre Kultur neu zu überdenken. Am Ende ihrer Überlegungen beschlossen sie im Grunde einen Neustart ihrer Kultur. Das zeigt sich an ihrem Kalender, den sie 19747 v. Chr. praktisch auf Null zurücksetzten. Sie führten einen Staatsdienst samt Beamtentum und zwei Wehrpflichtzeiten ein, begründeten eine neue Hauptstadt auf Ka’ua (uns als Hyoton VI bekannt) und das vom Exodus am stärksten in Mitleidenschaft gezogene Haus Ru’a wurde zum ersten Kaiserhaus auserkoren. Das zeigt mir, dass die Xian durchaus zu Empathie und Mitgefühl fähig sind, ebenso wie die Menschen zusammen halten wenn es eng wird. Genauso sind sie aber auch zu brutalen wie rücksichtslosen Grausamkeiten fernab jeglicher Vernunft fähig.

Ich gebe zu, dass man zu diesem Schluss kommen kann. Dennoch sind die angeführten Ereignisse gut 20.000 Erdenjahre Jahre her, immerhin ist der Beginn des ersten Kaiserreiches auf das Jahr 19.668 vor Christus datiert. Hat Dich dieser terroristische Akt gegen die Führer anderer Häuser so beeindruckt, dass Du auf Hardwells Linie zur geduldigen Annäherung umgeschwenkt bist?

Nein, das allein hat nicht ausgereicht, ich habe aber noch mehr Aufschlussreiches gefunden.

Bitte, ich bin ganz Ohr.

Das erste Kaiserreich, ist in seiner Stabiliät und Dauer durchaus mit dem irdischen chinesischen Kaiserreich vergleichbar. Da gibt es viele Ähnlichkeiten in der Staatsführung und auch das irdische Kaiserreiche währte immerhin gut 2000 Jahre! Übrigens war das auch das Zeitalter der Expansion der Xian hin zur interstellaren Spezies. Die Stabilität wurde durch eine Aggression von Außen beendet, die Kr’thak fielen in Kaua ein und rotteten das um 15.000 v. Christus herrschende Haus Shoh ganz gezielt aus. Die Angreifer stießen dafür in alle von den Xian besiedelten Systeme vor. Die Menschen befanden sich derweil am Beginn ihrer Steinzeit und hätten raumfahrende Wesen noch als Götter missdeutet.

Die Wirren um die Nachfolge führten die Xian in ihr als “Die Dunkelheit” betiteltes Zeitalter. Trotz der andauernden Bedrohung durch die Kr’thak konnten sich die Xian zunächst nicht auf eine Nachfolge einigen. Die Zeit war geprägt von Gewalt und Perspektivlosigkeit. Es war allein der Beamtenapparat, der ein komplettes Auseinanderfallen verhinderte, militärische Spitzenbeamten gelang es, den bis heute wirkenden Waffenstillstand mit den Kr’thak zu schließen. Ob dies ihrem diplomatischen Geschick oder einem schmutzigen Deal zu verdanken ist wissen wir nicht. In jedem Fall endete „Die Dunkelheit“ mit dem Aufstieg der Kr.e zum neuen Herrscherhaus. Ihre Regentschaft begründet das dritte Kaiserreich in 1457. Die Kre waren im Übrigen das Geheimdiensthaus der Shoh und machten sich durch das Sammeln von Informationen zu den Kr’thak verdient. Aktuell ist T.uēng Kr.ē im Kaiseramt, und das seit bereits über 300 Jahren. Wir müssen davon ausgehen, dass er umfangreiche Kenntnisse zu den Kr’thak hat. Ich komme darauf gleich zurück.

Aber bevor ich zu meiner abschließenden Bewertung zum Stand unserer Beziehung zu den Xian komme, möchte ich darlegen, was mich schließlich von Hardwells Linie überzeugte: Wir wissen aus der Geschichte unseres irdischen Kaiserreiches, dass es dort keinesfalls friedlich zuging, sondern extrem intrigant. Und die Geschichte der Xian zeigt ausreichend ähnliche Züge für mein nächstes Argument. Nur wer ein Meister der Diplomatie war erfreute sich am chinesischen Hof eines langen, erfüllten Lebens. Die Xian haben gut 20.000 Jahre Übung darin – salopp gesagt: zehnmal mehr als wir. Nicht umsonst gelten sie als Meister der Diplomatie. Und sie haben diese Fähigkeit uns gegenüber sogar schon eingesetzt. Kaiser Kre gelang es bekanntlich in 2789 unter der Diktatur der Messers im Geheimen einen Pakt mit dem terranischen Senator Akari zu schließen. Die beiden verhandelten einen Friedensvertrag. Der Versprach ein Bündnis, wenn Messer und Erde sich entscheiden sollten, einen militärischen Zug gegen die Xi’an zu unternehmen. Von diesem Schlag erholten sich die Messers nie wieder. Das kann man begrüßen, von einem neutraleren Standpunkt könnte die Analyse aber auch ganz anders ausfallen.

… ich denke ich weiß worauf Du hinaus willst…

Da bin ich mir sicher. Und ich bin schon gespannt darauf Deine Meinung dazu zu hören. Hier meine These: Die Xian sind sich selbst am nächsten, Kaiser Kr.e erwies seinem Volk einen guten Dienst, indem er in einem Moment der Schwäche der Messer-Dynastie (den er dank seiner langen Lebensspanne mühelos identifizierte) mit den Gegnern der Xian-feindlichen Menschen paktierte. Hätte Linton Messer die Xian angegriffen, wären Terraner verpflichtet gewesen sich an die Seite der Xian zu stellen und für sie zu sterben. Ein echter diplomatischer Coup! Denn Kre gewann die Garantie militärischen Beistands im Gegenzug für seine Zusage einer friedlichen Co-Existenz, die aber genau genommen schon existierte. Die Hochstilisierung der Xian zur Bedrohung war ja reine Propaganda und diente dem Machterhalt der Messers. Kre trieb also ohne jegliches zusätzliches Risiko einzugehen einen tiefen Keil in die menschliche Gesellschaft. Dieser Keil führte nur vier Jahre später zu einem den Interessen der Xian durchaus dienlichen Ableben eines starken politischen Opponenten.

In der Tat, ein durchweg gelungener diplomatischer Schachzug. Aber wer kann ihnen absprechen, dass sie den Menschen tatsächlich aus ihrem Jammertal heraushelfen wollten?

Das tue ich nicht, und es ist wirklich nicht meine Absicht unsere Nachbarn als selbstsüchtig darzustellen. Aber ich muss zugeben, dass die Xian nicht nur technologisch sehr weit entwickelt sind. Meinst Du nicht es hat etwas Überhebliches, zu glauben, wir wären den Xian diplomatisch gewachsen? Sie haben viel mehr Erfahrung weil sie schon weit länger in einer zivilisierten Art leben, und durch ihre mehrere Menschengenerationen überdauernde Lebensspanne denken und handeln sie nunmal in viel umfassenderen Zeiträumen. Das dürfen wir nicht außer Acht lassen. Können wir denn mit Sicherheit ausschließen, dass die Xian einen Senator von eigenem Fleisch und Blut nicht doch für eine List gebrauchen? Und um das klar zu stellen: Der Argumentation von Hardwell zu folgen bedeutet unbedingt auch sich weiter anzunähern. Und das gilt nicht nur für uns. Die Xian haben seit der Eröffnung der Arche keinerlei Daten zu ihrem Volk bereitgestellt. Wir gewähren ihnen dennoch Zugang zu unseren Aufzeichnungen. Wir wissen noch immer so wenig über sie, sie sind sehr zurückhaltend. Sie schweigen zudem beharrlich über ihr Wissen betreffend der Kr’thak. Ein Austausch darüber wäre sicher sehr vertrauensbildend. Es ist offensichtlich, dass weitere Informationen dazu die Xian uns gegenüber angreifbarer machen, sonst müssten sie damit doch nicht so sparsam umgehen. Für mich jedenfalls weist ihre Verschlossenheit auf mangelndes Vertrauen hin. Ich finde die Xian sind am Zug.

In Summe komme ich also zu denselben Schlüssen, die zuvor Senator Hardwell gezogen hat. Ich muss eingestehen, dass er seine Hausaufgaben gemacht hat. Und wenn ich auch eine Frage stellen darf – wie sieht John Brubacker unsere Beziehung zu den Xian?

Hmmm, ich muss zugeben, dass ich mich bisher nicht so intensiv mit der Geschichte der Xian beschäftigt habe. Was aber ich aber nachvollziehen kann und auch glaube, ist, dass nach innen gerichtete Strukturen, die dem reinen Machterhalt dienen, immer zu Misstrauen und Intrigen führen. Und wer sich innenpolitisch permanent bedroht fühlt, der fühlt sich auch von außen von Feinden umzingelt. Das macht das Aufbrechen von solch in sich geschlossenen Gesellschaften so enorm schwierig. Um das zu ändern braucht es langwierige Prozesse die nach Beharrlichkeit und viel Verständnis auf allen Seiten verlangen.

Ich finde für uns ist es enorm wichtig in dieser Sache engagiert zu bleiben und das Vertrauen der Xian zu gewinnen indem wir unser friedfertiges Miteinander pflegen. Ein stabiles, militärisch wehrhaftes Xian-Reich liegt in unserem ureigensten Interesse und ich hoffe, wir können dazu beitragen, dass der Übergang zum nächsten Kaiserhaus möglichst reibungslos gelingt. Die Vanduul sind für uns Herausforderung genug und ich will gar nicht darüber nachdenken was  uns blüht sollten die  Kr’thak uns ebenso feindlich gesinnt sein und in der nächsten instabilen Phase des Xian-Reiches beabsichtigt oder unbeabsichtigt zu uns vordringen. Und das könnte schneller passieren als uns lieb ist, denn Kaiser Kre ist der letzte Nachfahre. Und Du hast zuvor anschaulich herausgearbeitet, dass die Übergangsphasen zu einem neuen Herrschauerhaus bei den Xian meist von chaotischen Zuständen begleitet ist.

Leider scheint das so zu sein. Die Xian sind sich im Inneren offenbar weniger einig als es von außen betrachtet scheint. Deswegen war das von Imperator Costigan iniziierte Handelsabkommen  HuXa meiner Meinung nach auch ein sehr kluger Schachzug. Seit seinem Abschluss in 47 hat HuXa in den letzten fünf Jahren nicht nur für einen wachsenden Warenaustausch gesorgt. In den Grenzgebieten innerhalb des Xian-Reiches sind gemischte Gewerbe- und Siedlungsgebiete entstanden, die schnell wachsen. Eine gesellschaftliche Annäherung ist bereits im Gange und trägt Früchte, das Rihlah-System zeigt was möglich ist. Die Belebung des Handels wird zum Motor für die Entwicklung rassenintegrierender Co-Existenz auf engstem Raum, wie Corilla auf Zee beweist. Das schließt übrigens auch die Tevarin mit ein. Ich meine das sollte Schule machen, ich finde diese Entwicklung äußerst ermutigend.

Das möchte ich unbedingt unterstreichen. Nick, wir kommen dem Ende unserer Sendezeit schnell näher. Und wir haben bisher fast nur über die Xian gesprochen. Zuallererst stießen wir aber bekanntlich auf die Banu, wie siehst Du unsere Beziehung zu ihnen 514 Jahre nach dem Erstkontakt?

Die Banu sind kultivierte Händler und unsere ersten interstellaren Freunde. Als unsere beiden Zivilisationen zusammen kamen und das erste interstellare Friedens- und Handelsabkommen unterzeichneten, begannen wir Technologien zu tauschen und uns gegenseitig zu helfen, um in das Universum zu expandieren. Das finde ich ganz wesentlich. Daneben erinnern sie mich immer an die liebevolle Seite kindlicher Naivität und Begeisterungsfähigkeit. John, warst Du mal bei einem Sataball-Match mit einem Banu?

Du meinst weil sie mit jeder der beiden Mannschaften mitfiebern und bei jedem Tor in Jubel ausbrechen, egal auf welcher Seite es fällt?

Ja, aber worauf ich hinaus will: Auch wenn man weiß, dass das passieren wird, man muss es live und in Farbe erleben. Es ist so ungemein erfrischend und mitreißend. Und es bietet einen unverstellten Blick auf ihr Wesen. Sie sind absolut liebenswert. Dennoch können sie unangenehm narzisstisch sein, extrem selbstsüchtig auf den eigenen Vorteil bedacht – aber letzten Endes sind wir das doch auch. Ein gesunder Egoismus ist Teil einer erfolgreichen Existenz. Die Banu schlagen da mitunter defnintiv über die Strenge nach menschlichen Maßstäben – die Welten der Banu sind lebendige, nicht selten gefährliche Orte. Aber am Ende eint sie alle die Liebe zu Geld und Handel. Das können wir nutzen, nicht nur in brenzligen Situationen innerhalb des Protektorats. Die Tiefe unserer Beziehungen hängt primär von der Qualität unserer Handelsbeziehungen ab. Je solider diese sind und je länger diese andauern desto unverzichtbarer werden sie. Ich bewerte unsere Beziehung mit Blick auf unsere 500 jährige friedliche Co-Existenz als freundschaftlich. Ob die Banu uns deswegen militärisch zur Hilfe eilen würden weiß ich aber nicht.

Ja, das kann keiner wissen. Ich hoffe, daß wir das nie herausfinden müssen. Dass Du als freier Speditionsunternehmer den Handel als zentrales Entwicklungsinstrument für partnerschaftliche Beziehungen siehst versteht sich eigentlich von selbst. Dennoch stimme ich Dir zu, dass wir mit Blick in unsere ureigenste Geschichte anerkennen müssen, dass dies auch in der Entwicklung der Menschheit eine entscheidende Rolle spielte. Ohne den Handel, den Austausch von Ideen wie Waren, hätten wir vermutlich noch immer keine außerirdischen Nachbarn. Das führt mich zu meiner letzten Frage: Welche Raumschiffe würden Deiner Meinung nach den Handel zwischen unseren Spezies zum Wohle stabiler Beziehungen weiter florieren lassen?

Tatsächlich bin ich vor allem darauf gespannt womit Gatac als nächstes auf den Markt kommt, auch wenn die Railen noch nicht mal in meinem Hangar steht. Denn die erste kaiserliche Dynastie erteilte dem Haus Gatac auf ewig die exklusiven Rechte zum Bau industrieller Raumschiffe. Die sind also schon auf den  Bau industrieller Raumschiffe spezialisiert als unsereins  noch auf Windkraft und Segel oder Paddel angewiesen war. Dazu ist Gatac extrem innovativ. Sie sahen HuXA von Beginn an als Chance und zögerten keine Sekunde, die Fertigung ihrer Raumschiffe gleichermaßen auf den Gebrauch von Xian wie auch für den menschlichen Gebrauch zu optimieren.

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