“Wir übernehmen Verantwortung”

Interview mit Thane McMarshall, stellv. Leiter der Abteilung für Sicherheit und Schadensregulierung der Microtech-Kooperation

OTR: Mr. McMarshall, Sie haben neu entwickelte Steuerungschips mit dem kryptischen Namen „mTx.1“ vom Waffenhersteller Hurston Dynamics gekauft. Diese sollen auf Microtech für neue  automatisierte Verteidigungsanlagen genutzt werden und höhere Belastungsgrenzen besitzen, was die Witterungsanfälligkeit und die Freund/Feind-Erkennung angeht. Sie wollen den Planeten damit auch weiter für die Besiedlung öffnen. Ist das so weit korrekt?

McMarshall: Das ist soweit korrekt. Ergänzen möchte ich aber, dass die Entwicklung ein gemeinsames Unterfangen beider Unternehmen war. Wir haben nicht nur bei Hurston Dynamics  eingekauft.

OTR: Können Sie mit ein paar Sätzen erläutern, wie diese Kooperation zustande gekommen ist? Schließlich handelt es sich hierbei um eine äußerst sensible Technologie. Wie haben Sie  Industriespionage ausgeschlossen?

McMarshall: Die Gefahr der Industriespionage besteht generell natürlich immer, wenn große Unternehmen zusammenarbeiten. Seien Sie aber versichert: Wir wissen unsere Technologie durchaus zu schützen, jedoch leider nicht im konkreten Fall. Nichtsdestotrotz ist Hurston Dynamics ein verlässlicher Partner, der sich wunderbar mit unseren Kapazitäten ergänzt hat.

OTR: …aber das verstehe ich nicht ganz: Als Hersteller des Mobiglas müssten Sie selbst doch große Expertise haben. Sie produzieren neben dem Mobiglas selber ja auch noch allerhand andere Elektronik und sogar Sensoren, soweit ich weiß. Was hat Hurston Dynamics konkret zu bieten, was Microtech selber nicht zu leisten imstande war?

McMarshall: Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist Hurston Dynamics auf dem Gebiet der Waffenherstellung sehr erfahren und zum anderen bieten sie große, freie Kapazitäten im Produktionsbereich an, die Microtech so nicht zur Verfügung stehen. Außerdem war die Produktion der ersten Chips dort unauffälliger und somit sicherer.

OTR: Hatten Sie eigentlich keine Gewissensbisse, mit einem Konzern wie Hurston Dynamics zusammenzuarbeiten, der nachweislich einen ganzen Planeten und ganze Ökosysteme mit Waffentests ruiniert hat? Ich meine, Sie selbst geben sich auf Microtech als ausgesprochen nachhaltig und ökologisch aus, wenn ich nur an die Einrichtung von New Babbage denke…

McMarshall: Wir sind ein eigenständiges Unternehmen und haben nur begrenzt Einfluss darauf, was andere tun. Gleichwohl versuchen wir durch solche Kooperationen Einfluss zu nehmen und auch für eine Verbesserung der Lebensumstände auf anderen Planeten zu sorgen. Unser Fokus liegt aber auf den Dingen, die wir selbst kontrollieren können. Und: Unsere Unternehmenswerte gelten auch über Microtech hinaus.

OTR: Sollten wir uns als UEE-Bürger Sorgen machen, wenn zwei so große Megacorps ein derartiges Joint Venture eingehen? Hier entsteht im Verborgenen vielleicht eine nicht mehr zu kontrollierende Marktmacht. Eine Macht, die weit über das Stantonsystem hinausgehen dürfte…können Sie diese Befürchtungen entkräften?

McMarshall: Dass es diese Befürchtung gibt, kann ich verstehen. Ich versichere aber, wir sind auch weiterhin an alle demokratischen Prozesse gebunden. Gleichwohl haben wir als innovatives Unternehmen aber natürlich  das Bestreben und auch den Anspruch durch Kooperation zu wachsen und besser zu werden. Tiefer kann ich hier aber nicht ins Detail gehen, weil auf so ein Joint Venture natürlich auch andere ein Auge werfen.

OTR: Warum dürfen die Steuerungschips anderen eigentlich nicht in die Hände fallen? Was könnten Outlaws mit den Chips schlimmstenfalls tun? Ist die Technik dahinter nicht irgendwie gesichert?

McMarshall: Es handelt sich bei den Chips um Technologie auf dem modernsten Stand der Technik – und natürlich ist sie gesichert. Noch kann man mit den reinen Chips auch nichts anfangen. Wir wissen aber nicht, was in ein paar Monaten sein wird, wenn es einem findigen Hacker vielleicht doch gelingt, die Verschlüsselung zu knacken. Und wir können nicht sicherstellen, dass sie nicht doch vielleicht missbraucht werden. Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sie wieder zurückzuerlangen.

OTR: …ehrlich gesagt, bin ich ein wenig irritiert. Ich frage mich, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Sie sagen, dass die Caterpillar, auf der die Chips transportiert wurden, überfallen wurde. Wenn die Chips so wichtig sind, weshalb war der Transport dann nicht auch entsprechend gesichert? Wurden von Microtech intern eigentlich schon Konsequenzen gezogen?

McMarshall: Über interne Konsequenzen kann ich nicht sprechen. Was ich aber sagen kann, ist, dass es sich bei dem Transport um einen möglichst unauffälligen handelte – gerade weil die Fracht so sensibel war. Noch wissen wir ja auch gar nicht genau, ob es sich um einen Unfall oder einen Überfall handelte. Wenn der Transport aber tatsächlich aufgebracht worden sein sollte, ist dies natürlich Gegenstand unserer Untersuchungen.

OTR: Mit Verlaub: Ihr Bemühen, die ganze Sache aufzuklären, in Ehren. Aber offenbar ist es doch so, dass Sie mit den Helldivern nun auf ein externes Sicherheitsteam vertrauen müssen, weil Ihre interne Sicherheitsabteilung nicht dazu in der Lage ist, das Problem selbst aus der Welt zu schaffen…für einen Megakonzern Ihrer Größe ist das höchst bedenklich, sollte man denken.

McMarshall: Zunächst: Unser Konzernchef Jeff Alfonz ist natürlich bereit, für den Vorfall die Verantwortung zu übernehmen. Klar ist aber auch, dass bei einem Konzern der Größe Microtechs aber auch Fehler passieren, welche entsprechend größere Risiken bergen. Auch an uns geht die Menschlichkeit mit all ihren Facetten nicht vorbei.

Das Interview wurde vor der Besichtigung von Spacehub Gundo auf dem Mond Daymar geführt.

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